Nicht nur an Ostern essen wir viele Eier… Laut statistischem Bundesamt werden ca. 12 Milliarden Eier von heimischen Höfen von uns Deutschen jährlich gekauft. Diese Eier werden von ca. 40 Millionen Legehennen gelegt, von denen wiederum 4,2 Millionen ökologisch gehalten werden – sprich rund 10% [1]. 

 

Die Legehennenhaltung bringt große Probleme mit sich, die bislang schier ungelöst scheinen. Denn die Legehennen werden auf eine extrem hohe Legeleistung gezüchtet; sprich sie müssen in kurzer Zeit viele schmackhafte Eier legen. Die Brudertiere dieser Züchtungen finden jedoch keine Verwendung, da sie als Masttiere den heutigen Masthähnchen unterlegen sind. Denn die Männchen brauchen für die Aufzucht viel mehr Zeit um Fleisch anzusetzen, um als Masthähnchen verkauft werden zu können. Auch können die Männchen ihre Hähnchenbrüste nicht in bekannter Größe ausbilden. Also werden die Brüder der Legehennen aussortiert und getötet. Die Anzahl der getöteten Eintagsküken entspricht circa der Anzahl an Legehennen = 40 Millionen getötete Eintagsküken pro Jahr! Es ist der gesamten Bio-Branche daher ein großes Anliegen hierbei ethisch vertretbare Lösungen zu finden [2]. 

 

Im Jahr 2012 wurde die Bruderhahn-Initiative-Deutschland e.V. (BID) gegründet [3], mit dem Ziel:

 

Das nutzlose Töten der männlichen Küken nach dem Schlüpfen beenden

 

Die männlichen Küken bekommen über diese Initiative eine Chance, heranwachsen zu dürfen. Die beteiligten Legehennenbetriebe ziehen die männlichen Küken über 16-20 Wochen auf, bis sie geschlachtet werden und das Fleisch verkauft wird (ein Masthuhn wird dagegen nach maximal 6 Wochen geschlachtet). Daher wird vom Käufer ein Aufpreis über 4 Cent pro Ei verlangt, damit diese Mehrkosten gedeckt werden können bzw. die Bruderhahnaufzucht gegenfinanziert werden kann [2]. Diese 4 Cent landen zu 100% in die Aufzucht der Brudertiere und deren Vermarktung. Somit wird ermöglicht, dass bei den beteiligten Legehennenbetrieben alle Brudertiere aufgezogen werden können, deren Schwestern die Eier legen. 

 

Von vornherein stellte die BID jedoch klar, dass diese Initiative nur eine Übergangslösung darstellen soll. Langfristiges Ziel ist es, dass die ökologische Geflügelzucht das Öko-Huhn von morgen entwickelt. Was das heißt? Die Henne legt genügend Eier und der Hahn lässt sich gut mästen – die Züchtung einer Zweinutzungsrasse [3]. Heutzutage gibt es spezielle Hühnerrassen für das Eier legen und eben andere Rassen, die für die Fleischverarbeitung verwendet werden. Genau das soll mit der Züchtung einer Zweinutzungsrasse in Zukunft kombiniert werden. 

 

Den Standard der Geflügelhaltung bilden bei der BID die Richtlinien des Bioland- und Demeter-Verbandes. Einzelne Betriebe sorgen sogar für eine Tierhaltung darüber hinaus. Der BID setzt sich für eine Geflügelhaltung mit dem größtmöglichen Tierwohl ein. Sie setzen auf eine ökologische konzernunabhängige Geflügelzucht, um in der Bio-Branche eine eigenständige Geflügelwirtschaft zu unterstützen, in der auch Tiergesundheit, ökologische Haltung und Fütterung sowie eine angemessene Preis- und Handelsgestaltung neben den wirtschaftlichen Aspekten eine Rolle spielen [2]. 

 

Seit Gründung der BID beteiligen sich mittlerweile über 30 landwirtschaftliche Betriebe und weitere verarbeitende Betriebe und Großhändler an der Initiative der BID. Insgesamt wurden bisher ca. 50 Mio. Eier mit dem „4 Cent für die Ethik“– Aufpreis verkauft [2]. Erkennen kann man die Eier an der Kennzeichnung mit dem BID-Siegel.  

BID-Siegel zur Kennzeichnung der Eier [2]

Die Universität Hohenheim beschäftigt sich in ihrer Forschung auch mit dem Thema Zweinutzungsrasse [4], welche auch der BID am Herzen liegt. Dennoch legt die Forschung im Allgemeinen ihren Fokus eher auf die In-Ovo-Selektion– sprich die Erkennung von männlichen Küken direkt im Ei, um diese bereits im Ei zu töten. Die Küken werden jedoch getötet, nur eben bereits im Ei und nicht erst nach dem Schlüpfen. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass spätestens am 7.Tag ein Schmerzempfinden des Embryos nachweisbar ist. Die Geschlechterbestimmung findet jedoch erst am 9.Tag statt (am 21.Tag schlüpfen die Küken). Auch bleibt unklar, wie diese angebrüteten Eier bei der In-Ovo-Selektion vernichtet werden sollen bzw. in wieweit dies ethisch und moralisch tragbar geschehen soll. Die BID und auch der Demeter-Verband lehnen aus diesen Gründen diese Selektionsmethode entschieden ab. Die Tötung im Ei ist „mit dem Kreislaufgedanken der ökologischen Landwirtschaft nicht vereinbar“. Die Kennzeichnung für die In-Ovo-Selektion ist ein gelbes Herz mit der Inschrift „Ohne Kükentöten“, so dass das BID-Siegel Gefahr läuft, mit dieser Kennzeichnung verwechselt zu werden [3]. 

 

Weitere Initiativen, die sich für eine unabhängige Landwirtschaft mit ethische Zuchtzielen und Tierwohl einsetzen, sind beispielsweise „Das Huhn von Morgen“ und „der Bauckhof“ [5,6]. Auch wurden 2015 von Bioland und Demeter die Ökologische Tierzucht GmbH (ÖTZ) gegründet. Die ÖTZ und BID arbeiten sehr eng zusammen. Seit 2017 läuft von der ÖTZ eine Initiative mit „1 Cent pro Ei für ökologische Tierzucht“bei denen pro vermarktetes Ei jeweils 1 Cent in die Züchtungsarbeit der ÖTZ fließen [7]. Diese Eier werden mit dem entsprechenden Siegel (siehe unten) gekennzeichnet. Weitere Informationen findet ihr in meinen unten angegebenen Quellen auf den jeweiligen Websites der Initiativen. 

Kennzeichnung für die Eier der ÖTZ Initiative [7]

Vielleicht geht es euch beim Lesen genauso, wie es mir beim Schreiben ging. Ich bin schockiert, dass es eine Initiative geben muss, dass ein Tier 16 Wochen leben darf! 16 Wochen!?!? Und ein Masthähnchen lebt maximal 6 Wochen (was selbst durch diese Initiative nicht geändert wird)! Ist das ein artgerechtes Leben? Trotzdem zeigt die Initiative meiner Meinung nach, in welche Richtung wir uns drehen müssen! Denn lieber unterstützt man mit der richtigen Auswahl an Lebensmitteln den Fortschritt eines besseren Tierwohls, als mit dem Kauf von bspw. Billigprodukten eine nicht artgerechte Tierhaltung direkt zu unterstützen. Für viele Menschen ist es eben keine Alternative, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Durch diese 4 Cent mehr hat jedoch wirklich jeder die Möglichkeit, zumindest ein bisschen das Tierwohl zu unterstützen bzw. den Großbetrieben mit nicht artgerechter Massentierhaltung zu zeigen, dass sie mit uns nicht alles machen können was sie wollen. 

 

Kategorien: Wissen

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